Artikel des Göttinger Tageblatts (vom 23.01.2021):
Anfänger können online ein Instrument lernen

Kein Kino, keine Kneipenbesuche, keine Konzerte – Corona ist in vielen Dingen ein Spielverderber, macht anderes dafür möglich. Nie stand so viel Freizeit zur Verfügung, um ein Instrument zu erlernen oder Gesangsunterricht zu nehmen. Musik gegen den Lockdown-Blues, Unterricht gibt es auch online.

Landkreis
Präsenzunterricht ist momentan laut Corona-Verordnung untersagt, die Kreismusikschule Göttingen, die Unterricht im gesamten Landkreis anbietet und auch in Duderstadt, Osterode und Hann. Münden Außenstellen betreibt, bietet trotzdem Unterricht an – für „Kunden“, die bereits länger mit den Musikpädagogen arbeiten, aber auch für Anfänger, die sich entschlossen haben, ihre freie Zeit zu nutzen, um ein Instrument zu erlernen. „Das geht ganz einfach. Über ein Formular auf unserer Homepage gibt es die erste Kontaktaufnahme. Wir schauen dann nach, welcher Lehrer Zeit hat und vereinbaren eine Probestunde, die normalerweise nahe dem Wohnort stattfindet, im Moment allerdings virtuell“, berichtet Susanne Graells, die in der Verwaltung der Musikschule arbeitet und für die Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsorganisation und die Kontaktpflege zuständig ist.

Online-Unterricht weiter entwickelt
Frühkindliche Musikerziehung sei im Moment schwierig, weil mit den Kleinsten die Kontaktaufnahme einfach schwierig sei. „Die Eltern wollen ja nicht unbedingt, dass ihr Kind dafür vor dem Rechner sitzt. Deshalb liegt auch hier die Kooperation mit dem ASC Göttingen auf Eis“, berichtet Graells. Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr habe sich der Online-Unterricht immer weiter entwickelt. „Für Anfänger ist es natürlich auf diesem Weg schwieriger, ein neues Instrument zu lernen. Da ist der persönliche Kontakt oft besser“, räumt sie ein. Größere Nachfrage erlebe gerade der Gesangsunterricht. Lehrerin Maja Hilke habe gut zu tun, sie habe ihre Unterrichtskonzeption bereits angepasst.
Hilke bestätigt, dass die Schüler, die im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 noch zögerlich waren, online zu singen und Stunden zu buchen, inzwischen auch dieses Angebot wahrnehmen. „Die Akzeptanz ist gestiegen, es hat eine gewisse Gewöhnung eingesetzt. Die Schüler sind dem Angebot aufgeschlossener gegenüber“, berichtet die Musikschul-Lehrkraft, die Schüler aller Altersklassen hauptsächlich im Anfänger- und Mittelstufenbereich betreut.

Playback für das Singen zu Hause
Der Online-Gesangsunterricht laufe über ein Konferenzsystem – meistens etwa 30 Minuten. Dafür oft aber wöchentlich, bei Präsenzunterricht ist eher der Zwei-Wochen-Rhythmus mit einer längeren Dauer Usus. „Videounterricht ist nicht wie eine Livestunde. Er ist aber auch personalisiert, das heißt auf den Schüler zugeschnitten“, berichtet Hilke. Sie legt viel Wert darauf, ihren Schülern etwas „an die Hand zu geben“. Das sind oft Videos, die sie selbst mit dem Handy aufgenommen hat. Damit können sie sich dann zu Hause als Vorbereitung auf den Unterricht etwas selbst erarbeiten.

Die Qualität des Online Unterrichts, so Hilke, stehe und falle mit der technischen Ausstattung. „Gemeinsam zu musizieren, ist wegen der Zeitverzögerung bei der Übertragung nicht möglich. Ich kann meine Schüler während des Unterrichts beispielsweise nicht mit dem Klavier begleiten. Dafür bekommen sie ein Playback, dass ich aufgenommen habe.“ Nachteil für sie als Lehrkraft sei, dass differenziertes Hören nicht möglich sei. „Ich kann die Nuancen nicht hören.“

Aber die Musikschul-Lehrkraft hat auch Vorteile ausgemacht. Ihre Schüler lernen „eigenständiger und strukturierter“ und seien besser vorbereitet auf die Stunden. „Sie kommen mit vielen Fragen in den Unterricht.

 

Zum Einstieg gibt es Leih-Instrumente

Anfänger, die sich für ein Instrument entschieden haben, müssen nicht gleich tief in die Tasche greifen und investieren. Sie haben auch die Möglichkeit zu leihen – zwischen acht und zwölf Euro kostet das pro Monat. Teure Instrumente wie das Cello, Saxophon oder die Geige sind auch zu bekommen, „allerdings ist da die Anzahl begrenzt“, sagt Susanne Graells, die bei der Kreismusikschule für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Vor allem beim Gitarren-Unterricht sei der Wunsch schnell da, ein eigenes Instrument anzuschaffen. „Da stehen unsere Lehrer dann beratend zur Seite, geben Ratschläge.“

Graells berichtet von „treuen Schülern“ in allen Altersstufen. Die Fluktuation sei nicht groß, wer mit dem Online-Unterricht nichts anfangen könne, habe die Möglichkeit zu pausieren. Das verlaufe alles unbürokratisch. „Natürlich hat es anfangs auch mal geknirscht, aber die Lehrkräfte haben sich viel einfallen. So gab es beispielsweise in der Vorweihnachtszeit als Ersatz für viele kleine Konzerte die Möglichkeit für die Schüler, Weihnachtslieder für eine CD einzuspielen. Diese wurde dann an die Eltern verteilt“, erzählt Graells.

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